Stieglitz




Als das Schulzendorf 1591 gegründet wurde, erhielt es von dem Grundherrn Johann Czarnkowski den Namen Siedlisko, den die Bauern bald in Stieglitz umformten. Örtlicher Gründer war Bartholomäus Warnke, der 2 Hufen erhielt und die üblichen Schulzenverpflichtungen übernahm. Nach 1631 versahen seine beiden Söhne Jakob und Martin das Schulzenamt zu gleichen Rechten und Pflichten. Beide verstarben früh, und das Schulzengut wurde zunächst an den Bauern Mathias Sahr verpachtet, bis die beiden Warnkeschen Erben, 2 Vettern, 1672 erwachsen waren. Durch viele weitere Verkäufe und Erbteilungen wird das weitere Schicksal der Schulzengüter ganz undurchsichtig.

Als Stieglitz 1772 preußisch wurde, zählte es zu den bestgestellten Dörfern in der Netzegegend. Es hatte damals u.a. 7 Freibauern mit mehr als einer Vollhufe, 10 Freibauern mit bis Hufen, 19 Dienstbauern, 20 Kossäten und 6 erbliche Büdner.

Mit den Handwerkern und Mietern zusammen waren es 419 Menschen. Die Dorffläche betrug rund 589 ha.



Windmühle


In der Separationszeit wurden auch die Dienstbauern Eigentümer ihrer Gehöfte gegen Zahlung einer Geldrente. In dieser Zeit verlegten einige Bauern ihre Gehöfte nach außerhalb auf die Felder. So entstanden nach und nach die Ortsteile Haidchen, Strauchort und die Fließreihe, dabei spielten natürlich auch spätere Erbteilungen eine Rolle.



Dorfstraße


1902 erhielt Stieglitz eine Haltestelle an der Ostbahn, und der oft unergründliche Bahnhofsweg wurde nach dem 1. Weltkriege gepflastert.



Sportschule


Eine Sportschule entstand im Grasbruch am Bahnhof, und eine Chaussee führte etwas später zur Kreisstadt Schönlanke.

In der Nazizeit gab es erhebliche Reibereien zwischen Gegnern und Anhängern des Volksverführers. Pfarrer Reger, der mutig für seine Überzeugung gekämpft hatte, wurde für längere Zeit ins Konzentrationslager geschickt.

Um 1920 hatte der Ort 6 Höfe mit mehr als 50 ha und 42 mit 16-45 ha. Die kleineren landwirtschaftlichen Betriebe sind nicht aufgeführt. 1930 betrug die Dorffläche 2566,2 ha, die Einwohnerzahl wurde mit 1124 angegeben. Die Bevölkerung nahm seit 1864 ( 1401 ) ständig ab, doch haben wirtschaftliche Gründe dabei keine Rolle gespielt. Es stellten die in reicheren Dörfern allgemein in Betrieb genommenen Maschinen Arbeitskräfte frei, die dann zum Teil abwanderten.

Stieglitz dürfte bald nach seiner Gründung ein Bethaus gehabt haben.

1780 erstand eine Fachwerkkirche, und 1867 wurde Stieglitz eigene Parochie mit den eingepfarrten Orten Gornitz und Ivenbusch. Von 1886 bis 1925 verwaltete Pfarrer Scherk das Amt des Seelsorgers, später wirkten Pfarrer Schulz und zuletzt Pfarrer Reger in der Gemeinde.



Kirche in Stieglitz


Das letzte Gotteshaus stammte aus dem Jahre 1908.

Wann der erste Schulhalter in Stieglitz tätig war, ist nicht bekannt. In der Zeit der Gegenreformation waren nur katholische Schulmeister zugelassen. Das älteste uns bekannte Schulgebäude stand an der Dorfstraße gegenüber vom Gehöft Warnke, das 2. neben dem Kirchplatz. Das 3. wurde 1910/11 erbaut und hatte 4 Klassenzimmer und 2 Dienstwohnungen. Hauptlehrer waren der Reihe nach Hoffmann, Piehl und Rosenau.

Die Reihe der feindlichen Grausamkeiten begann 1945 mit dem Überfall auf einen Flüchtlingszug. Darauf erfolgte nur einige Minuten später die Ermordung des Bauern Zahn und zweier Flüchtlinge auf dessen Hof und die Erschießung des Gutsbesitzers Erdmann, der gerade als Urlauber zuhause war. Namentlich bekannt sind insgesamt

25 Tote des Ortes, von denen nur wenige auf der Flucht, die meisten im Ort ihr Leben ließen. Niedergebrannt wurden das Pfarrhaus, die Schule, das Gehöft Erdmann. Weitere 9 Häuser bzw. Gehöfte wurden ganz oder teilweise zerstört.

 


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