Mariendorf



Das erste Dorfprivileg, ausgestellt von Sophie Czarnkowska und 1643 von einem Nachfolger auf 30 Jahre verlängert, ist vermutlich im 2. Schwedenkrieg um 1655 verlorengegangen. Daher weiß man nicht, ob der Ortsname dieser Holländerei einen kirchlichen oder weltlichen Hintergrund hat. In privaten Prozeßakten soll nebenbei von einem Privileg vom 3. 3. 1614 berichtet worden sein. So kann wahrscheinlich dieses Jahr als Gründungsjahr angenommen werden.

1677 hat der Grundherr von Filehne für Mariendorf das 2. Privileg herausgegeben, das den bei Holländereien üblichen Formen entspricht. Neu ist allerdings eine strenge Bestimmung über die Mahlpflicht. Dort heißt es wörtlich: „Wer auf den Handmühlen zuhause Malz mahlen sollte und dabei erwischt wird, muß das Malz abliefern und 10 Dukaten Strafe zahlen.“ Malz durfte Mariendorf also nur auf der Mischker Mühle mahlen lassen. Die Holländereien konnten Dünnbier für den Eigenbedarf brauen und brauchten nicht unbedingt herrschaftliches Bier zu beziehen, wie z.B. die Schulzendörfer.

An der Netze scheinen damals noch vereinzelt Steinmühlen altgermanischen Musters im Gebrauch gewesen sein. Aber die Wassermühlen waren damals eine der besten Einnahmequellen der Grundherrn, daher versuchten sie, Schädigungen dieser Betriebe durch hohe Strafen zu verhindern. 10 Dukaten waren etwa 448 Taler, wenn Golddukaten gemeint sein sollten.

Die Bauern nannten um 1631 ihren Ort auf Plattdeutsch Margendorf, das beweist, daß es sich um niederdeutsche Leute handelte. Auch die Bauernnamen von 1643 und 1653 sind rein deutsch und haben keinen holländischen Klang.

1653 wurden von ihnen 10 Normalhufen bewirtschaftet. Wie an vielen anderen Orten, so wurden auch in Mariendorf unter Peter Sapieha die Höfe durch Zukäufe vergrößert.

1773 wurden 19 Bauern mit je 30 Morgen, 2 Bauern mit 22 und einer mit 15 Morgen gezählt. Berücksichtigt man auch das getrennt aufgeführte Neuland, so ergibt sich eine Dorffläche von 524 ha. Darauf lebten damals 154 Personen.

Aus den folgenden Jahrzehnten ist nur bekannt, daß durch die Separation um 1835 die Höfe vergrößert wurden.

Das Jahr 1888 lebte noch in der Erinnerung sehr alter Leute als Unglücksjahr fort, da damals im April das ganze Netzebruch überschwemmt war und die Wassermassen fast die Häuser erreichten.

1920 wird gemeldet, daß 13 Höfe mit 19-51 ha vorhanden waren, neuere Angaben verzeichnen 17 Bauern mit 2 und 9 Landwirte mit einem Pferd.

Die höchste Einwohnerzahl hatte Mariendorf 1871 mit 296 Personen erreicht, aber 1930 waren nur noch 107 Menschen ortsansässig, obwohl 678,5 ha Acker und Wiese vorhanden waren. Kirchlich und schulisch war das Dorf der Nachbargemeinde Ehrbardorf angeschlossen.

1945 verlor der Ort durch Handlungen des Feindes 2 Tote. Über das Schicksal mehrerer Verschleppter Personen ist nichts bekanntgeworden. 4 Wohnhäuser wurden niedergebrannt.

 


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